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Geschichte

Die Reformierte Pfarrgemeinde in Oberwart

(Evangelische Kirche helvetischen Bekenntnisses) 

In der Stadt Oberwart im Burgenland leben reformierte Christen neben römisch-katholischen und evangelischen. Die reformierte Pfarrgemeinde in Oberwart ist die einzige in Österreich, die seit der Refomationszeit ohne Unterbrechung besteht. 

Die Gemeindeglieder sind die Nachfahren der einstigen königlich-ungarischen Grenzwächter, die hier seit über eintausend Jahren ihre Heimat haben. Auf ihre große Vergangenheit weist der Name Oberwart hin. Die Grenzwächter besaßen Adelsprivilegien, sie waren dem ungarischen König direkt verantwortlich. Landesherren konnten sie in der Gegenreformationszeit nicht mit Gewalt in die Katholische Kirche zwingen. Die Stürme der Gegenreformation sind aber auch über Oberwart nicht spurlos hinweggezogen. Die ursprüngliche Kirche der Gemeinde wurde im Jahr 1673 von deutschen Söldnern mit Gewalt okkupiert und wieder katholisch gemacht, obwohl sich damals ganz Oberwart zum reformierten Glauben bekannte. In dieser heute römisch-katholischen, mittelalterlichen Kirche, deren Turm von den Reformierten errichtet wurde, erinnert auch heute noch eine Marmortafel an ihre "reformierte Vergangenheit".

Fast einhundert Jahre lang hielt dann die Gemeinde ihre Gottesdienste in einer Holzkirche ab. Diese Kirche diente aufgrund der Artikel des Beschlusses des Ödenburger Landtags aus dem Jahr 1681 als sogenannte "Artikularkirche", d.h. sie war für ein sehr weites Gebiet die einzige geduldete reformierte Gottesdienststätte. Die Gemeinde konnte sich jedoch das Recht erkämpfen, in den Jahren 1771-73, noch zehn Jahre vor dem Toleranzpatent Josefs II., die heutige Kirche zu errichten. 

Diese Kirche ist das älteste evanglische Gotteshaus auf dem Boden des heutigen Österreich. Das alte Pfarrhaus der Gemeinde wurde im Jahr 1784 erbaut und ist das älteste und eines der schönsten unter Denkmalschutz stehenden Arkadenhäuser des Südburgenlandes. 

Die reformierte Gemeinde Oberwart zählt heute etwa 1400 Gemeindeglieder. Die Gottesdienste und Gemeindearbeit erfolgen in deutscher und in ungarischer Sprache. Die ursprünglich rein ungarischsprachige Gemeinde ist mit dem Burgenland nach dem Ersten Weltkrieg zu Österreich gekommen und ist heute ein wertvoller Teil der Evangelisch-Reformierten Kirche Helvetischen Bekenntnisses in Österreich. 

Jahrhunderte hindurch hat diese Gemeinde, motiviert durch ihr Verantwortungsgefühl gegenüber Gott dem Herrn, ihr Schicksal angenommen und selbständig gestaltet. Ihr demokratisches, presbyterianisches System wies den Weg für die spätere diesbezügliche Entwicklung der Stadtgemeinde. Die Gemeinde ist zwar nur eine kleine Diaspora, d.h. eine kleine isolierte Minderheit, sie hat aber in der Vergangenheit wie auch in der Gegenwart große Bedeutung erlangt. 

Die seit dem 17. Jahrhundert bestehende reformierte Schule hatte bis zu ihrer Verstaatlichung im Jahr 1938 einen hervorragenden Ruf. Der Leseverein der Reformierten Jugend, der einer der ältesten Vereine des Burgenlandes ist und seit dem Jahr 1889 besteht, hat große Verdienste um die Kulturarbeit der Gemeinde erworben. In seinem Rahmen bestehen eine große ungarische Bibliothek, eine ungarische Volkstanzgruppe, eine Schauspielgruppe, die alljährlich Theaterstücke zur Aufführung bringt und weitere kulturelle Veranstaltungen. 

Auf internationaler Ebene hat die Gemeinde durch die "Oberwartkonferenz" (Konferenz reformierter Pfarrer aus Europa), sowie Jahrzehnte hindurch durch zahlreiche Radio- und Fernsehübertragungen in deutscher wie auch in ungarischer Sprache, weit über die Grenzen Österreichs hinaus Bekanntheit erlangt und wurde in schweren Zeiten zu einer Quelle der Kraft für den Glauben von Mitchristen in weiten Teilen Europas. 

Die reformierte Gemeinde war führend an der Verwirklichung des brüderlichen Geistes und der Ökumene zwischen den Konfessionen in Oberwart beteiligt. Zahlreiche gemeinsame Gottesdienste und andere ökumenische Veranstaltungen halfen den Gläubigen auf dem Weg zum gegenseitigen Kennenlernen und zur gegenseitigen Wertschätzung. 

Entscheidend ist aber das stets gerne und deutlich gegebenes Zeugnis dieser Gemeinde von ihrem Herrn, Jesus Christus.